“Tom is gay, oida!”

Im November 2009 hat Tom Cruise den sehr schlechten Film “Knight & Day” in Salzburg gedreht. Ebenfalls im November 2009 haben sich meine WG und unsere Couchsurfing-Gäste aus Australien gedacht, etwas Alkoholisches in der Altstadt zu uns zu nehmen. Zur Vorbereitung dessen haben wir bereits Alkoholisches in relevanten Mengen zu uns genommen. Man hat ja nichts zu verschenken. Fröhlich und englisch sprechend (unsere Gäste sollten uns ja verstehen) machten wir uns auf dem Weg.

Am Platzl sind wir dann in die Dreharbeiten für den Film geraten. Wir waren neugierig und haben zugeschaut. Als plötzlich das Platzl und die Steingasse abgesperrt wurden, wurden wir von einem Mitarbeiter gebeten, doch bitte das Platzl zu verlassen und in die Steingasse zu gehen. Wohlgemerkt HINTER die Absperrung. Der gute Mann dachte offenbar, das wir zur Crew gehören, denn auch wir sprachen ja englisch und waren ziemlich ungepflegt. Wir sind dann in die Steingasse und weiter den Aufgang zum Kapuzinerberg hoch, um nicht der Polizei-Verfolgungsjad, die dort gerade gedreht wurde, im Weg zu stehen.

Oben auf den Dächern der Steingasse trafen wir dann auf Mr. Cruise, welcher 20 Meter von uns entfernt eine weitere Szene drehte. Aufgabenstellung: 10 Meter über die Dächer laufen. Immer wieder, während auf der Steinterrase der Regisseur mit einem Megaphon stand und nach jedem Lauf wortreich erklärte, wie sehr das Team Tom doch liebt:
“Tom, that was great, we all love you. But could you do it again?”
Kein Problem für Tom, liebt er die Crew doch auch:
“I love you, too. Thank you so much”.
Die gegenseitige Liebesbekundung war auch dringend nötig, waren doch klar und deutlich die Sprechchöre vom Rudolfskai zu vernehmen, wo sich die gesammelte Segabar-Gästeschar zum Happening versammelt hatte:
“Tom is gay, Tom is gay, Tom is gay, oida.”
Das hat uns so gut gefallen, das wir mit einer kleinen Digitalkamera ein wenig gefilmt habe. Zwar ist Tom Gaycruise darauf kaum zu erkennen, aber zumindestens die Sprechchöre sind gut zu hören. Das gefilmt wurde, hat auch niemanden von der Filmcrew gestört, waren wir ja auch Crew. Nach der 20. Variante der Szene wurde uns fad und wir sind uns betrinken gegangen.
Wieder Zuhause fand ich es eine gute Idee das Video der BILD Zeitung zu schicken. Ja ich gestehe. Ich war ein armer, betrunkener Student und habe gedacht 150 Euro wären ja ganz geil. Am nächsten Morgen hatte ich die gesamte Geschichte eigentlich schon wieder vergessen und habe die Stadt der Schande für das Wochenende verlassen.

Am Abend hatte ich dann zehn Nachrichten auf meiner Mobilbox, alle von der Bild, teilweise aus verschiedenen Ressorts. Ich solle dringend zurückrufen, warum ich noch nicht zurück gerufen habe, ich solle auf keinen Fall mit jemanden darüber sprechen. Aha. Ich habe dann eine der vielen Nummern zurück gerufen und wurde gleich zu einem stellvertretendem Chefredakteur durchgestellt. Der war recht aufgeregt und wollte wissen, ob ich mir auch sicher sei, keine Absperrung überklettert zu haben:
“Wir haben echt schon ärger mit der Filmfirma.”
Hatte ich nicht, wir wurden ja sogar hergebebten. Seine nächste Sorge:
“Hat RTL schon bei Ihnen angerufen?”
“Nein, die wissen ja nichts davon.”
“Sagen Sie das nicht, wir sind ein großes Haus, da gibt es immer Lecks.”

Ahja.
Ich darf leider nicht sagen, wie viel Geld sie mir gezahlt haben. Viel war es nicht, ich war schon immer schlecht im verhandeln. Wichtiger war mir, das mein Name nicht erscheint. Das habe ich mir schriftlich geben lassen.
Stunden später war das Video online. Man versteht sogar die Regieanweisungen. Tom is gay, oida.

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