Theater für Schüler

Schauspieler beneide ich sehr selten. Und schon gar nicht, wenn sie um 8 Uhr 30, und ich meine damit nicht 20 Uhr 30, auf die Bühne gehen. In der vorangegangenen Stunde haben sie ihre Kulissen und Requisiten und eine Musikanlage aus dem Transporter geladen und aufgebaut . Weil sie haben alles mit, was sie brauchen. Wenn sie in Schulturnsälen auftreten. Oder Mehrzweckhallen mit Hausmeister, aber ohne Ton – und Lichtanlagen.

Das Publikum, das sind 200 Vierzehn- bis Siebzehnjährige, die im Französischunterricht auf das Stück vorbereitet wurden, angeblich. “Ich hab’ keine Ahnung, worum es da geht, ich versteh’ ja die Hälfte nicht.” Wer ist um diese Tageszeit kulturaufnahmebereit, fremdsprachig?

Heute wird “Quel Tartuffe” gegeben, eine Komödie, die Molieres religiösen Heuchler als Guru, also persönlichen Coach, ins Jetzt transferiert. Die Vier auf der Bühne ziehen alle Register der Schauspielkunst, sind präsent, witzig, voll da. Und das Stück hat genau Schulstundenlänge, wegen der Aufmerksamkeitsspanne. Bis auf ein paar Dauerquatscher und Sichdochlieberdemhandywidmer erleben die meisten eine unterhaltsame Aufführung. Für die Möglichkeit, danach noch mit den Akteuren zu diskutieren, gar auf französisch, lassen sich nur ganz wenige begeistern, und außerdem wäre jetzt ja Pause.

Um 10 Uhr 15 ist die zweite Vorstellung, um 12 Uhr die dritte. Das fühlt sich für mich am Lichtpult schon sehr nach “Und täglich grüßt das Murmeltier” an, macht aber Spass, zu beobachten, wie präzise gespielt wird und dazu das Licht mitzufahren.

Nach der letzten Vorstellung: abschminken, abbauen, einladen, weiterfahren. Und möglicherweise am späten Nachmittag noch ein oder zwei Aufführungen, irgendwo im Umkreis von 100 Kilometern.

Aber da bin ich schon bei Sepultura.

Artikelfoto: Lienbacher.com

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