Stefan Pawlata erzählt eine Familiengeschichte anhand von Fußballspielen

Stefan Pawlata ist ein self-made Actor, der sein Handwerk teilweise selbst erlernt hat. Als ausgebildeter Sozialarbeiter betreibt er die Theatergenossenschaft, in Graz wo Theaterworkshops angeboten werden. Im Moment ist er auf Tournee mit seinem ersten Solo-Erzähltheaterstück „Jugoslav je Jugoslav“ für Anti-FußballerInnen und SportplatzgeherInnen, Ex-JugoslawInnen und ÖstereicherInnen.

Was gefällt dir dabei auf der Bühne zu stehen und spielen zu können?
Inzwischen spiele ich schon 8 Jahre Theater und von Beginn an spürte ich beim Spielen eine Zufriedenheit in mir. Ich mag das Kribbeln vor dem Gang auf die Bühne, das in die Hose machen (oder 7mal Pinkeln gehen), das Reinkommen ins Spiel und das Adrenalin spüren, das Vergnügen erzählen zu dürfen – und dann das Loslassen mit Ende, der Applaus, die Dankbarkeit, die Erleichterung, ein Produkt geschaffen zu haben mit Anfang und Ende. Theater spielen tut mir einfach gut, es macht mir Spaß, es regt mich an, mich „spielerisch“ mit Themen wie zum Beispiel „Jugoslawien oder Heimatlosigkeit“ auseinanderzusetzen.

In deinem ersten Theaterstück steht sowohl das Thema Fußball, als auch Jugoslawien im Vordergrund. Woher kommt das Interesse?
Die Idee, ein Stück über den Fußball zu machen, was Menschen interessiert, die mit Fußball nichts am Hut haben, hatte ich schon vor einigen Jahren. Von dem ehemaligen jugoslawischen Fußballspieler, Nationalspieler und Trainer Ivica Osim bin ich seit meiner Jugend fasziniert, von slawischen Liedern genauso. Aus dieser Kombination heraus entstand die Idee zum Stück. Im Zuge meiner Theaterpädagogik-Ausbildung habe ich im Sommer 2011 dann den Theatertrainer Christian Suchy kennengelernt. Wir haben viel über Fußball geredet, viel über Jugoslawien – er hat bosnische Wurzeln und er hat einige Projekte in Kroatien umgesetzt. Und aus der Idee hat sich die Person des Erzählers Darko Begic und Stück „Jugoslav je Jugoslav“ entwickelt.

Christian ist auch der Co-Autor vom Stück. Wie wichtig war er bei der Vorbereitung?
Das kann ich nicht in Wörter fassen. Christian ist der Regisseur und mein Supervisor. Es stecken alleine mit Christian über 130 Stunden Arbeit im Stück…Ich habe viel gespielt, er hat viel rückgemeldet. Ich habe von Christian, der auch professioneller Musiker ist, gelernt Töne stimmlich beim Singen zu halten. Und zwei Wochen lang haben wir vor Probenstart eine Stunde lang Körpertraining gemacht. Da entsteht irgendwann eine sehr interessante Chemie.

Hat Christian dir auch beigebracht Deutsch mit einem Slawischen Akzent zu reden?
Nur teilweise. Hauptsächlich habe ich mir das selbst beigebracht. Ich habe schon vor längere Zeit angefangen mich darüber Gedanken zu machen, was die ersten 1000 Wörter sind, die ein Mensch lernt, wenn er oder sie Deutsch sprechen will. Als nächstes bin ich sehr oft mit Menschen zusammengesessen, die einer süd-slawischen Sprache mächtig sind. Da lernte ich wie man betont, Wörter richtig ausspricht. Das ganze musste ich dann wieder umlegen auf die deutsche Sprache. Wie hört sich das deutsche Wort an, wenn ich es slawisch akzentuiert ausspreche (beispielsweise ein leichtes Kratzen bei einem „H“). Und dann: Üben, üben, üben, üben.

Du nennst „Jugoslav je Jugoslav“ ein Erzähltheaterstück. Was gefällt dir am erzählen?
Vor ungefähr 4 Jahren lief im Volkstheater in Wien das Theaterstück „Die Reise“ von Jacqueline Kornmüller. Ein Erzähltheater, mit einem gespannten Rahmen (die Reise nach Österreich) und gefühlte 40 verschiedene Geschichten von 40 verschiedenen Menschen darin. Mit simplen Gesten, ohne Bühnenbild – Sprache und Erzählung, gezeigte Erzählungen…das faszinierte und berührte mich. Es ist eine Kunst gut erzählen zu können, das Publikum zu begeistern. Mein eigenes Bühnenbild so simpel wie möglich zu halten, war genauso Anspruch von mir. Und es ist mir gelungen. Es gibt kein Bühnenbild und ich brauche nicht mehr als einen Quadratmeter zum Spielen.

Hast du dir je gedacht: ich will mal einen Job, der mir wirklich Geld bringt?
Ich arbeite als Sozialarbeiter in Graz bei zwei Vereinen, damit verdiene ich mein Grundeinkommen. Phasenweise ist es zeitlich eng. Das Theaterspiel wird zunehmend zu meinem Zusatzeinkommen – mit der Freiheit, einkommensmäßig nicht gänzlich abhängig sein zu müssen. Das würd mich innerlich stressen.
„Wirkliches Geld bringen“…hm…da bin ich sowohl als auch im falschen Berufsfeld. Aber beide Berufe geben mir Freude, ich mag sie. Und das ist nicht aufzuwiegen mit Einkommen.

Spieltermine & Kontakt : www.theatergenossenschaft.com.
Am 6. März spielt Stefan um 19:30 im Svetlov Theater im Cafe Shakespeare in Salzburg.
Teaser zum Theater : http://bit.ly/1ChgIQQ