Plakate abreißen mit Günter Konrad

Günter Konrad ist einer dieser Typen mit ausladendem kreativen Portfolio: Kunst, Design, Fotografie, Musik und einiges mehr hat der Mann schon erfolgreich beackert. Wir haben mit ihm ein wenig über sein Bildwerk geplaudert.

 

Was hat dich in die Kunst verschlagen?

Die Neugier Dinge zu entdecken, Neues zu erfahren, und schlussendlich selbst Dinge zu schaffen. Der innere Drang sich auszudrücken ist und war schon immer Teil von mir. Ich kam von der Musik zum Malen, vom Malen zum Film, vom Film ins Theater, vom Theater zum Bühnenbild. Seit 2011 kreiere ich digitale Décollagen und Übermalungen, nachdem ich zuvor 10 Jahre auf den Pfaden des „Nouveau Réalisme“ Cut-Outs von Plakatwänden anfertige oder gemäß der „Neuen Sachlichkeit“ soziale Wohnbauten fotografierte. Ich bin der Meinung, dass es dauerhaft glücklich macht, seine Vorlieben auszuleben und zu teilen, Bekanntes zu hinterfragen und „Neues“ zu erfinden.

Ich bin also kein „Staatskünstler“, aber auch kein Einzelhandelskaufmann

Hattest du mal Zweifel am kreativen Arbeitsfeld und dachtest dir: “Ich mach jetzt eine Einzelhandelsausbildung, das ist sichere Kohle”?

Nein, umgekehrt: nach der Pflichtschule machte ich eine Lehre, nach dem Zivildienst arbeitete ich in einem Jugendkulturzentrum und dann genoss ich eine Ausbildung an der FH-Salzburg Fachrichtung MultiMediaArt. Momentan verdiene ich meine Brötchen bei einer Salzburger Firma, die auch eine Niederlassung in Wien betreibt und mit Möbel aller Art handelt. Hier gestaltete ich projektbezogen, z.B. Präsentationen hauptsächlich für Architekten und Bauherren, betreue  den Webauftritt für Geschäfts- und Privatkunden, schieße Produkt- und Referenzbilder, erstelle Drucksorten, etc. Ich bin also kein „Staatskünstler“, aber auch kein Einzelhandelskaufmann, sondern zur Hälfte ein Handwerker und zur anderen Hälfte ein Künstler. Das macht zurzeit Spaß und unabhängig!

Du hast ja Arbeiten in beiden Bereichen gemacht und beides schlägt sich markant in deinen Werken nieder, aber welcher Ausstellungsraum ist dir lieber? Museum oder Straße?

Mir ist nicht vieles recht, aber ich kann mir viel vorstellen. Ich habe, wie schon erwähnt, momentan nicht den finanziellen Druck überhaupt etwas verkaufen zu müssen. Da meine Werke seit längerem der digitalen Natur entspringen ist natürlich auch das Internet ein Raum der sehr wichtig ist. Hier versuche ich abseits von Facebook & Co meine eigene Seite selbstständig zu betreuen, meinen Weg zu gehen. Weiters macht es Spaß auf Märkten seine Werke direkt vorzustellen und anzubieten. Ich bin für das „Und“ nicht für das „Oder“.

Am Ende können wir wieder alles abreißen und von neuem anfangen.

Warum Décollagen? Gab es da eine bestimmte Inspiration?

In meiner Studienzeit an der FH war ich nachts oft als Plakaträuber unterwegs. Zerfetzt und verhunzt ohne irgendeine ästhetische Zielsetzung, sprach mich die Wüstheit der Bruchstücke und Fragmente an, die bei einem Plakatabriss freigelegt werden. Für mich war es anfangs Material für Präsentationsmappen. Die Plakatschichten eigneten sich hervorragend zum Experimentieren. Ein Lehrender an der FH machte mich darauf aufmerksam woher diese Kunst stammt und gab mir Bücher von Jacques Villeglé, Raymond Hains und dem Nouveau Réalisme sowie den Affichisten. Ebenso las ich in dieser Zeit viel über die Ästhetik und Romantik von Plunder (Abfall) und über die menschliche Wahrnehmung. Danach interessierten mich nur noch abstrakte Formen, ich war von der „zufälligen“ Schönheit verzaubert und versuchte ausschließlich den passenden Ausschnitt  zu finden und nichts mehr hinzuzufügen. Die Cut-Outs waren auch der Abschluss meiner analogen Beschäftigung mit der Décollage. Ich hatte das Gefühl anzustehen und kam dann über meinen dokumentarischen Abfall, den ich chaotisch über 7 Jahre gesammelt hatte, meinen digitalen Snapshots von Décollagen, Streetart-Fundstücken und Tags auf die Idee, die Methode der Dé-Collage sowie der Über-Malung in die digitale Zeit zu transformieren.

 Was liegt als Nächstes an?

Seit 2011 arbeite ich an der Serie „covert and discovered history“. Hier kombiniere ich am Computer bekannte Einzelwerke der Kunstgeschichte mit meinem digitalen Recherchematerial von Décollagen, Streetart und Tags. Die antiquierten Gemälde aus ihrem museal-temperierten, hochkulturellen Kunst-Stollen wieder zu Tage zu fördern, sie zurückzugewinnen, zu affichieren und mit der Bild-Sprache der Straße zu kombinieren, ihnen neues Leben einzuhauchen, sie zu sampeln und dabei von der Geschichte zu lernen finde ich sehr bereichernd. Am Ende können wir wieder alles abreißen und von neuem anfangen.

www.guenterkonrad.com

Fotos: Jacob Pritchard

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