Käptn Peng – wie es wirklich war

Wer HipHop zu schätzen weiß, dem ist auch bekannt, dass Salzburg in dieser Richtung relativ wenig zu bieten hat. Wo LiebhaberInnen anderer Musikstile längst eine verlässliche Konzertreihe geboten wird, kann in Sachen Rap oftmals allein auf die lokale Szene verwiesen werden. Dank der neuen Rockhouse-Reihe „HipHop Circus“ soll das nun anders werden, Künstler aus den verschiedensten Ecken des Genres geben sich die nächsten Monate das Mikrofon in die Hand.

Eröffnet wurde das Spektakel von Käptn Peng und den Tentakeln von Delphi, ein Bandprojekt, das aus zwei Brüdern, auch bekannt als Käptn Peng und Shaban, und drei weiteren Musikern besteht. Nebenbei bemerkt ist die Nachfrage nach einer solchen Reihe offensichtlich groß, der erste Abend war bereits ausverkauft.

Zur Vorband „Waelder“ aus Wien, die sich selbst als „elektronisches Projekt […] irgendwo zwischen Noise, Ambient und Pop“ bewegen, kann leider nicht viel gesagt werden außer, dass die ins Mikrofon gehauchten Wortfetzen dank des dröhnenden Störgeräusches, das konstant durch den Saal geblasen wurde, wohl niemand verstanden hat.

Die mir im Vorfeld als recht erfrischende Abwechslung im Genre bekannte Band entpuppte sich als ein Spiegelbild der heutigen Hipster-Jugend: Kinder von Akademikern, die größtenteils ohne Sorgen sind, lamentieren über den Sinn des Lebens. Dabei spielt der Inhalt oft eigentlich keine Rolle, sondern mehr die Darstellung der vielen schwierigen Fremdbegriffe und einer scheinbar ausgeklügelten Gegenbewegung zum herkömmlichen Deutsch-Rap. Das bedeutet zwar keine Schmälerung der Qualität und der (tatsächlich vorhandenen) Frische der Band, jedoch grenzte der Live-Auftritt weniger an musikalische als an individuelle Selbstdarstellung.

Aber von vorne: Nachdem die Band die Bühne betrat, deren Sänger ungewöhnlichen, aber manchen aus den Videos schon bekannten, Kopfschmuck trug und die ersten zwei Songs zum Besten gab, galt es, Berührungsängste zu überwinden. Das Publikum sollte sich selbst namentlich vorstellen, damit die Band spielen konnte. Gesagt, Getan. Auch sonst tat das Publikum brav alles, was die erzeugte Stimmung vorgeben sollte: Es lachte bei einer offensichtlich nicht improvisierten „Theatereinlage“ des Sängers mit dem Drummer und es litt unter der Offenbarung von Pengs Gedankenwelt, wenn er versuche, sein männliches und weibliches Ich miteinander zu verheiraten. Dies erinnerte eher an ein postpubertäres Geplänkel á la Julia Engelmann als an innovativen HipHop. Wenn man ansonsten schon alle elitären Darstellungsarten verwendete, durften die an einen Poetry-Slam erinnernden Einlagen zwischen den Songs natürlich nicht fehlen.

Elitär ist offensichtlich auch der Kreis der Zuschauerinnen und Zuschauer, anders kann ich mir die verstörten Blicke bei meiner mangelnden Textsicherheit sowie meiner fehlenden Socke über der Hand nicht erklären. Alles in allem soll dies keinesfalls die Zugehörigkeit der Band zum Genre schmälern, allerdings geht die von ebenso selbstgefälligen Zeitungen wie der Frankfurter Allgemeine zelebrierte Frische bei einer solch überzogenen Selbstdarstellung schnell verloren. Oft ist ordentlicher Flow auf Boom-Bap-Beats dann doch besser, als einen Wortstamm bis zur Unkenntlichkeit zu verstümmeln und sich dafür noch zu feiern.

Artikelfoto: Michael Seifert

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