Jay Cooper | Don’t shoot the gun

Lang ists inzwischen her, dass Musik aus Salzburg nur gut zu hören war. Dieser Tage erscheinen nämlich Musikvideos, das glaubst du nicht. Der Magic Delphin zeigt bei „Glitzergold“ Wölfe (Wölfe!) und zerdrischt Gitarren (der Song wird mittlerweile schon auf FM4 gespielt, ich lass das jetzt stellvertretend für meine Wertschätzung so stehen), die Makemakes machen gleich einen ganzen Film, auf das erste bewegte Bild von Heidelbert haben sowieso alle schon fiebrig gewartet und jetzt hat auch Jay Cooper seinen zweiten Streich namens „Don’t shoot the gun“ verfilmt.

Das Video wurde zwischenzeitlich entfernt, ich hab daraufhin versucht so detailgetreu wie möglich davon zu erzählen, so als ob ich selbst dabei gewesen wäre. Hier nun die Darbietung:

[Räusper]

Der Moment in dem man morgens (oder spätnachmittags) die Augen öffnet und Bilder auf einen einstürzen ist nehm ich an nicht vielen was Neues. Wenn man aber nicht weiß ob das alles letzte Nacht passiert ist, oder das wunschträumen hin auf die kommende Nacht oder ob es einfach nur ein Traum, vollgesogen mit der Musik und den dazugehörigen Manifestierungen ist – ja dann wird’s hapig. Noch dazu wenn man sich dabei im Genre des Rock’n’Roll befindet und mit einer großen Vorliebe den damit nicht selten einhergehenden Lebensstil pflegt. Oder, das zumindest gerne täte. Geht heutzutage ja nicht mehr alles, jedenfalls nicht legal und damit schon wieder nicht so schön wie man sichs vorstellt. Und da steigen wir ein, in die Vorstellung.

„Don’t shoot the gun“ ist das alles, Bilder wie aus dem Kaninchenloch. Ein vernebelter, düsterer und leicht verschwommener Streifzug durch Jay Coopers Welt, immer noch (oder schon?) leicht wankend aber doch neugierig, wo man da jetzt eigentlich gelandet ist. In den verschiedenen Räumen der großen Party, auf der wir alle gern gewesen wären, trifft man auf alle Klischees des 80er-Jahre-Rocks: Die Stirnbänder, die Perlenketten, Dark Wave und Neonfarben, toupierte Haare und Hometrainer. Jay Cooper streift durch die verblassenden Erinnerungen, stolpert hier den schönen Mädchen in die Arme, findet sich im pastellfarbenen Fitnessraum wieder, beruhigt die Nerven im Pool und fröhnt der neuen Langeweile auf der Couch, inklusive Bärenfell und Muse/Groupie (man weiß es nicht). Die Egozentrik, die Arroganz, Klischees und Rock’n’Roll (danke, Betty’s Apartment, immer wieder für diesen grandiosen Titel) bis zur ersten grauen Strähne, verpackt in Musik die man entweder sofort liebt oder hasst. Aber: Please don’t shoot the gun.

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“Hey you, its good the way you are / hey you, be happy who you are / life can be fun on the back of a rollercoaster”. Und er hat ja auch irgendwie recht. Scheiß drauf, aber lieb gemeint. In your face, aber eh vorsichtig. Herzliche Anrüchigkeit aber warum weiß man auch nimmer so recht. Oder der gelebte Rock’n’Roll-Traum, der nachts im Diskolicht funkelt und nicht zu enden scheint, aber im Tageslicht dann doch irgendwie blendet und in den Augen wehtut. Also besser die Augen wieder schließen und weiterträumen.