From Darkness

Das bereits 1998 in Salzburg gegründete Künstlerkollektiv gold extra kann auf ein sehr vielseitiges und vor allem durchwachsenes Portfolio zurück blicken. Mit ihrem 2008 veröffentlichen Projekt “Frontiers” konnten sie besonders von sich reden machen. Die auf Half-Life 2 basierende Mod steckte den Spieler in die Rolle von Flüchtlingen oder Grenzpolizisten in realorientierten Szenarien und schaffte es durch diese Perspektivwechsel erfolgreich wichtige Denkanstöße in ein auf spielerischer Ebene funktionierendes Game zu implementieren. Dieser Ansatz wurde im aktuellen Projekt “From Darkness” erneut aufgegriffen. Tobias Hammerle von gold extra hat mir zum Thema Kunst und Videospiele ein paar Fragen beantwortet.

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Magst du uns kurz erklären worum es in „From Darkness“ geht?

Gerne. Im Single Player “From Darkness” übernimmt der Spieler den Part einer belgischen Journalistin, die sich in Ostafrika mit ostafrikanischen Lebensrealitäten befassen soll. Schlagwörter sind Boomregion, aber auch Bürgerkrieg und Ressourcenkonflikte.

Videospiele umfassen heute ein sehr weites Spektrum an Themenfeldern. Selbst Triple-A Titel wie z.B. „Spec Ops: The Line“ haben einen gewissen politischen bzw. gesellschaftskritischen Background. Was unterscheidet „From Darkness“ von anderen Spielen?

Das kommt jetzt natürlich auf das Spiel an, mit dem es verglichen wird. Ein wichtiger Punkt war sicher, From Darkness nicht nur als ein “Proof of concept” anzulegen. Es ging uns nicht nur darum, reale gesellschaftliche Hintergründe kritisch beleuchtet “irgendwie” in ein Spiel zu zwängen. So ein Spiel mag einem Junglehrer vielleicht zur Demonstration seiner Coolness dienen, wenn er es seinen Schülern vorführt, würde dann aber außerhalb des Unterrichts aufgrund von mangelnden Spielspaßes wohl nicht mehr angerührt werden. Uns war schon bei unserem Letzten Spiel “Frontiers” immer wichtig, das es eben auch als Spiel funktioniert.

Ist es nicht schwierig Spielspaß mit schwer verdaulichen Themen zu verbinden, ohne dass die Nachricht, die man transportieren möchte, verloren geht?

Das ist immer eine Gratwanderung und natürlich auch die Herausforderung an der Sache. In “Frontiers”, das sehr actionlastig war, haben wir uns bemüht, die große Menge an Infos, die über die damalige Recherchereise zusammen kam, in andere Elemente zu “übersetzen”. Das kann dann ein Graffiti oder Plakat an den Wänden sein, oder die Tatsache, das bestimmte Aktionen unerwarteter Weise nicht möglich sind, weil die Recherche das eben so ergab. In “From Darkness” wollen wir stärker mit Dokumentarmaterial arbeiten (wir haben 2012 in Ostafrika ca 50 Interviews geführt) und den verschiedensten Teilen der dortigen Gesellschaft eine Stimme geben. Ist das manchmal schwer verdaulich? Möglich. Aber wir glauben, oft auch sehr interessant. Ein motivierendes und funktionierendes Gameplay hat aber in jedem Fall Priorität.

Die Videospielindustrie ist heute mitunter der größte Strang der Unterhaltungsbranche. Trotzdem scheint das Medium in der Gesellschaft nicht aus den Kinderschuhen zu kommen und wird meist sehr stiefmütterlich behandelt. Erlebt ihr da ähnliche Reaktionen?

Schade ist sicher, dass die Bedeutung und das Potential von Videospielen vielerorts noch nicht erkannt wurde. Ausserhalb des Entertainmentbereichs hört man meist nur von Spielen, wenn Breivik es beispielsweise als “schwere Folter” bezeichnet, dass man ihm seine Playstation 2 nicht upgradet, oder in sonstiger Killerspieldemagogie. Dabei könnte man sich auch mal mit der ungeheuren Konzentration befassen, mit der sich der Spieler seinem Medium widmet. Da gibts plötzlich kein ADHS mehr, und alle sind bei der Sache. Hier hat gerade die Forschung noch viel aufzuholen, wenn sie sich endlich von dem Stigma des Unseriösen beziehungsweise des Unethischen befreien kann.

Für die einen war es also Kunst, für andere Entertainment und für wieder andere eine Art von politischem Aktionismus

Im letzten Jahr hat das Spiel „The Stanley Parable“ bei Kritikern und Spielern hohe Wellen geschlagen, dort hat man die klassische Idee von einem Spiel auch schon deutlich abstrahiert und es gibt noch etliche weitere Beispiele von Indie Entwicklern. Gibt es mittlerweile so etwas wie eine „Künstlerszene“ im Videospiel Bereich?

Ich persönlich habe noch nicht viel von einer “Künstlerspielszene” bemerkt. Sicher werden Spiele oft zum Kult, oder auch zur Kunst erklärt, und dann “posthum” im Medienmuseum aufgestellt. Was ich an unserem letzten Spiel aber interessanter fand, war, dass es nur von bestimmten Gruppen überhaupt als Kunst gesehen wurde. So durften wir zwar auf der “Art Moscow” aussstellen, waren aber dann aber wieder auch auf der Computerspielmesse “Games for Change” in NYC und in NGO-Magazinen wie dem Amnesty Journal vertreten. Für die einen war es also Kunst, für andere Entertainment und für wieder andere eine Art von politischem Aktionismus. Möglicherweise halten sich die Vorteile, als Kunst “abkategorisiert” zu werden, ja auch in Grenzen.

Was sind deine liebsten Games?

Dafür werden mich meine Kollegen möglicherweise verprügeln, aber ich bin derzeit süchtig nach “Wordblizz for Friends” einem Android Casual Game. “Papers, Please” ist ein 1-Personen-Projekt mit cooler Idee. “Bioshock Infinite” finde ich – als Steampunk-Fan – sehr schön gemacht. Generell bemühe ich mich aber, das Zocken in Grenzen zu halten, damit bei “From Darkness” was weiter geht.

Vielen Dank!

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Fotos © gold extra

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