Defeater, Caspian & Co. im MARK

Das MARK musste in den letzten Jahren so einiges mitmachen: Man wurde zu Standortwechseln gezwungen, hatte mit finanziellen Problemen zu kämpfen und die Besucher von damals mussten auch erst einmal dazu überredet werden, hin und wieder den Weg zum neuen Vereinshauptquartier in der entlegenen Hannakstraße auf sich zu nehmen. Umso schöner ist es zu sehen, dass das MARK inzwischen angekommen zu sein scheint, wieder eine echte Heimat gefunden hat – und auch immer mehr Veranstalter aus den verschiedensten Sparten anzieht. Vergangenen Freitag waren das United People Booking, die mit Defeater, Caspian, Landscapes und den Goodtime Boys ein Hardcore- und Postrock-Paket par excellence nach Salzburg locken konnten.

„Solide“ ist, finde ich, das Wort, das den Abend am Besten beschreibt: Das MARK ist gut besucht, wirkt aber trotzdem nicht übervoll. Die Stimmung ist angenehm, vielleicht ein bisschen zu angenehm: Von der Dringlichkeit und Aufbruchsstimmung, für die ich Hardcore so liebe, ist hier wenig zu spüren, die Musik funktioniert an diesem Tag als reines Freitagabendentertainment für eine eingeschworene Szene, die das alles zwar geil findet, in dieser Form aber auch schon zigmal gesehen hat.

Versteht mich nicht falsch: Ich hab’ nichts gegen leichtes Entertainment. Absolut nicht. Vor allem, wenn des derart gut gemacht ist: Sowohl Defeater (deren Sänger mit einer ernsthaften Hüfterkrankung auf die Bühne geht – mutig bei einer Hardcore-Show!), als auch die Goodtime Boys und Landscapes spielen wahnsinnig tight, der Sound ist ausnahmslos verdammt druckvoll und transparent. Allein wirkt das alles mitunter zu durchprogrammiert, zu sehr nach Abfertigung. Die Kommunikation zwischen Bands und Publikum basiert auf szenetypischen Floskeln und so fällt es schwer, hier irgendwelche Highlights zu erwähnen.

Die Tatsache, dass mit Caspian eine auf Platte meist bedächtige, hallgetränkte und komplett gesangslose Postrock-Band (sprich: die musikalisch absolut andere Richtung) mit auf Tour ist, ist reizvoll. Für ihr knapp 40-minütiges Set gehen die Soundtüftler aus Massachusetts dann allerdings auf Nummer sicher und picken vor allem die lauteren, verzerrteren Stücke aus ihrer Diskografie. Wäre aus künstlerischer Sicht fast schade, wenn das Set nicht trotzdem so unglaublich episch und großartig wäre.

Die eigentliche Sensation, nicht nur des Abends, sondern fast aller United People-Shows, ist aber mal wieder das Publikum, genauer gesagt: dessen Größe. Wie es Chefbooker Martijn seit Jahren schafft, internationale Bands von gewaltigem Kaliber nach Salzburg zu holen, die woanders oft vor doppelt so vielen Leuten spielen – das zeugt von Ausdauer, einer bedingungslosen Liebe zur Musik und verdient einiges an Respekt. Und es hält uns Fans dazu an, sooft wie möglich zu diesen Shows zu gehen.

Foto: Roman Freunberger

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