Betty’s Apartment | Klischees & Rock’n’Roll

Ja ich weiß, ich bin überengagiert (keine Sorge, das legt sich wieder). Aber da gibt’s einfach soviel Gutes momentan, da kann ich nicht anders. Und: Der Titel! Mit Genre-Bezug, sozusagen. Fast noch besser als „Folk Songs of the American Longhair“ oder „Hardcore Will Never Die“.

Klischees & Rock’n’Roll, daraus besteht das Leben. So im Großen und Ganzen (den Sex und die Drogen muss man da ja gar nicht mehr extra erwähnen). Schaut man näher hin tun sich da aber schon ein paar Details auf, die aber gut und gerne in die gleiche Richtung getragen werden können und die Betty’s Apartment aktuell fokussiert, eingedampft und konzentriert in 41 Minuten verpackt haben. Das toppt in seiner Komprimiertheit aber wirklich nur noch Elvis Presley.
Und so beginnt es bereit im Titelsong, mit Rock’n’Roll, Indierock und Folk. Typische Inhalte werden aufgebrochen, die Musik wird angereichert mit etwas das uns bleibt.

‚Nur noch einmal diese Macht, nur noch einmal diese Kraft. Nur noch einen einzigen Wunsch, prätentiös und ungesund’.

12074957_1640462676211066_5916311263606522023_nWeekends’ ist dann der Song für die Einstimmung auf eben jene und enthält die passenden Zutaten: Bars, Alkohol, Drogen, Einsamkeit. Und alles was dieser Kombination folgt. Für die Verhältnisse von Betty’s Apartment eigentlich der düsterste Song, ohne aber hoffnungslos düster zu sein. Ich weiß nicht wie aber sogar hier schafft es die Band die Klischees hinter sich zu lassen und diese Wochenenden ist das richtige Outfit zu packen. In ‚Der goldene Garten’ wird im Uptempo erzählt, von den eigenen Ambitionen, von Plänen, vom Aufbruch, dem aus sich selbst und aus der Komfortzone. Ein Zustand, der eigentlich nicht so schlecht ist, der so bleiben könnte, und doch erwartet man mehr. 

‚Ich bin zu allem bereit, nur nicht zu warten. Hier im Garten voller Gold’.

Ähnlich ist es bei ‚Leuchtfeuer’, wobei wir hier schon einen Schritt weiter sind. Hier offenbart sich der neue Charakterzug von Betty’s Apartment etwas mehr, obwohl der Song nicht neu ist – aber die Rockversion. Hier gilt Fußwippen und Kopfnicken, Tanzen oder gar mehr. Dem Text und der Musik beim Spielen zusehen vielleicht. ‘Waterfalls To Sleep’ nimmt sich dann wieder zurück, ist sachte, romantisch und kitschfrei und die musikgewordene Entspannung – die sich auch in ‚Roses in Ruins’ fortsetzt. Und zwar schönstens, kann ich da nur sagen. Geigen, nämlich! Das die hier die Mythen beseitigen und nicht erzeugen, wer hätte das gedacht.

‘The End Of The Party’ verkündet dies nicht im zerstörten Sinn, sondern im Gegenteil – mit bester Laune und Optimismus. So dass man den Nachhauseweg tanzen möchte. Mit einem Rückblick, aber mehr mit dem voraus. Danach wartet nicht der graue Morgen, sondern die Freiheit. Die, die sich jeder selbst gönnen kann: „I’m gonna be free at the end of the party, the end of the night that is getting endless now“.

‘Holy drunk, wild at heart. Driving ’till morning and fading into the dark’.

12074763_1640462342877766_7692236730963548732_nBetty’s Apartment erzählen die Geschichte mal anders, so dass man sich denk: „Aber natürlich, es ist ja so einfach!“. Sie passen in keine Schublade und das ist auch gut so. Das Alltägliche wird Besonders (oder umgekehrt?), wird unaufgeregt erzählt, mal in schönster Akustik-Manier, mal mit verzerrten Gitarren. Ein Album, das sich einer wunderbaren Sprache bedient, das mal laut, mal romantisch ist, mit dem man gut gelaunt und genauso traurig Tage verbringen kann, mit dem man Klischees erfüllen und den Rock’n’Roll raushängen lassen kann. „Klischees & Rock’n’Roll“ erfüllt beides und löst auch beides auf, einerseits in ‚The Truth About It All’, andererseits in Musik für ‚Stranded Angels & Broken Hearts’.

Alles drin, ich hab nachgehört.

Und: Das alles kann man live haben! Morgen, am 23. Oktober im MARK. Da präsentieren Betty’s Apartment nämlich das gute neue Stück. Es soll lustig und laut werden, wurde mir gesagt.
Und und: Wer jetzt überhaupt das ganze Paket haben und mich auch noch mit Betty’s Apartment über das Album reden hören will, der kann das da machen.

Fotos vom Ludwig.