Ausländer raus!

Vielfalt ist gut. Oder doch nicht? Einige Schweizerinnen und Schweizer denken da wohl ein bisschen anders, wie uns kürzlich der Ausgang der Volksabstimmung gegen „Massenzuwanderung“ gezeigt hat. Sicher, die Schweiz hat mit einer Ausländerquote von fast 24 Prozent eine doppelt so hohe Quote wie etwa Österreich, wo rund 12 Prozent der Bevölkerung aus dem Ausland kommen. Und auch sonst kommt kaum ein europäisches Land an diesen Spitzenwert heran. Unser Gastautor Ludwig hat die Zuwanderungsdebatte zum Anlass genommen, einmal Salzburgs Migrantinnen und Migranten zu porträtieren und erzählt deren Lebensgeschichten. Und dabei fiel ihm vor allem eines auf: We are Salzburg, das gilt auch für viele Zuwanderer.

#1 Ahmed1

Dönerverkäufer Snacks and more

Name: Ahmed
Beruf: Imbissverkäufer
Alter: 52 Jahre
Herkunft: Syrien

Ahmed stammt aus dem kurdischen Teil Syriens. In seiner Heimat war er zuletzt vor sechs Jahren, bis auf seinen kleinen Bruder haben alle Familienmitglieder das vom Krieg gebeutelte Land verlassen. Der Vater von fünf Kindern zog 1990 nach Österreich. 2010 eröffnete er einen Dönerimbiss am Papageno-Platz mitten in der Salzburger Altstadt, wo er seitdem nicht nur den Hunger vieler Studierenden stillt.

#1 Arzt1

Arzt

Name: Alexander
Beruf: Arzt
Alter: 47
Herkunft: Österreich

Ungarn und Griechenland, die Herkunftsländer seiner Eltern, kennt Alexander nur als Urlauber. Als 15-Jährige sei seine Mutter damals nach Österreich gekommen – als Flüchtling im Zuge des Ungarischen Volksaufstands 1956. Sein Vater fand aus Athen den Weg nach Österreich. Der 47-Jährige wurde in Innsbruck geboren, wuchs dreisprachig auf und praktiziert als Frauenarzt in Maxglan und in der Klinik der Diakonissen. Als Sohn zweier Migranten findet der Arzt kulturelle Vielfalt schon aus evolutionstechnischer Sicht wichtig, sie sei auch „der Beginn für etwas Neues“.

#1 Anwältin1

Anwältinnen

Name: Fatma & Selale
Beruf: Rechtsanwältinnen
Herkunft: Deutschland & Österreich

Fatma und Selale gehören zur zweiten Generation. Bei beiden Anwältinnen stammen die Eltern aus der Türkei, zogen dann aber nach München bzw. Salzburg. Während Selale in München lebte, studierte und erst dieses Jahr ihre Kanzlei in Salzburg eröffnet hat, ist Fatma schon immer an der Salzach zu Hause gewesen. Beide haben eine eigene Kanzlei in der Alpenstraße und leisten Einheimischen wie Türken rechtlichen Beistand. Selale erzählt, besonders in Fällen, wo die Kultur eine tragende Rolle einnehme, wie etwa bei Scheidungen, sei es ein Vorteil den Hintergrund türkischer Migranten zu kennen und zu verstehen.

#1 Integrationsbeauftragte2

Integrationsbeauftragte der Stadt Salzburg

Name: Daiva
Beruf: Integrationsbeauftragte
Alter: 42
Herkunft: Litauen

Mit einem Stipendium fing bei Daiva alles an. Als Studentin kam sie erstmals nach Salzburg, um hier zu studieren. In Litauen, wo sie in der Hauptstadt Vilnius aufgewachsen war, hielt sie nicht mehr sonderlich viel, sodass ein Auslandsaufenthalt her musste. Zwar ging die 42-Jährige nochmal zurück in ihre alte Heimat, doch 1992 kehrte Daiva endgültig zurück in die Festspielstadt. Seit 2008 ist sie Integrationsbeauftragte der Stadt und sorgt dafür, dass Salzburg auch für andere Zuwanderer zur „richtigen Heimat“ wird, wie die gebürtige Litauerin ihr Zuhause an der Salzach nennt – an dem sie inzwischen übrigens auch die Kleinheit schätzen gelernt hat.

#1 Nazar1

Türkischer Cafébesitzer in Elisabethstraße

Name: Erdal
Beruf: Wirt und Taxilenker
Alter: 35
Herkunft: Türkei

„Offen für alle“ sei das Café Nazar in der Elisabethstraße, sagt Erdal. Der Türke lebt seit 16 Jahren in der Landeshauptstadt und hilft im Café hinter der Theke oft aus. Denn eigentlich verdient er sein Geld als Taxifahrer. Im Café Nazar bewirtet Erdal, ein durch und durch freundlicher und aufgeschlossener Mensch, meist türkische Gäste. Aber auch viele Jugoslawen und Einheimische kämen oft und gerne hierher. Für die vielen Pensionisten ist das Nazar ein beliebter und gewohnter Treffpunkt geworden.

#1 Saliah2

Obusfahrer

Name: Saliah
Beruf: Obuslenker
Herkunft: Ghana

Ein echtes Unikat sowie stadtbekannter Obuslenker und Musiker ist Saliah. „Sally“ chauffiert seit 2008 seine Fahrgäste durch Salzburg und sorgt dabei für gute Laune. Der gebürtige Ghanaer liebt seinen Job, wie er sagt. Nicht zuletzt wohl auch wegen des positiven Feedbacks der Menschen, die seine Musik hören und ihn im Bus darauf ansprechen. Mit der neunköpfigen Band „Gemischte Jaus‘n“ hat er inzwischen rund 50.000 Euro für Kinderhilfsprojekte in Ghana gesammelt. Er selbst flüchtete von dort 1996 wegen politischer Verfolgung. Genau das, so sagt er, will er den Kindern dort ersparen und baut Schulen und Heime. Für eine Perspektive im eigenen Land, jenseits von Europa und Lampedusa.

#1 Gürel3

Türkischer Friseur

Name: Sebahattin
Beruf: Friseur
Alter: 50
Herkunft: Türkei

Seit 35 Jahren lebt Sebahattin inzwischen in Salzburg. Seine Leidenschaft ist der Friseur-Beruf, den er seit 1987 ausübt. Sein in Österreich lebender Vater hatte ihn im Alter von 16 Jahren aus der Türkei, genauer gesagt aus seinem Heimatort nahe Izmir, zu sich geholt. Hier in Salzburg absolvierte er auch den Großteil seiner Lehre zum Friseurmeister. Direkt gegenüber der Kiesel-Passage ist der 50-Jährige mit seinem kleinen Team im Friseursalon Gürel stets für die Wünsche seiner Kunden da – und fühlt sich in der Mozartstadt inzwischen längst als Einheimischer.

#1 China3

Leiterin Chinesische Sprachschule

Name: Linhong
Beruf: Dozentin
Alter: 57
Herkunft: China

Vom pulsierenden Moloch Peking ins beschauliche Hallwang – das ist die Lebensgeschichte von Linhong, der Leiterin des Chinesischen Kultur- und Sprachzentrums. Als junge Studentin der Malerei faszinierte sie der Traum von Europa. Einmal die Originale der europäischen Gemälde aus nächster Nähe sehen, das war ihr Ziel. Nach dem Studium in München verschlug es die Mutter von zwei Kindern dann 1992 in die Mozartstadt, wo sie nun seit 15 Jahren in „ihrer“ Schule Kurse für Chinesisch, Malerei, Kochen und Kalligraphie gibt. Salzburg sei ihre zweite Heimat geworden. Peking besucht sie nur noch selten.

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