Ach du Gute Güte

Vor einiger Zeit sind wir auf etwas aufmerksam geworden, dass sehr vielversprechend klang und aussah und bis vor Kurzem in Salzburg tatsächlich Seltenheitswert hatte. Der wohlklingende Name lautet “Ach du gute Güte” und betitelt einen Blog über Salzburg, Design, DIY Stuff und Food. Katzen mag die Besitzerin auch; was fürs Interwebz obligat ist (nicht bestätigte Gerüchte dementieren, dass sie zuhause ein Faultier und ein Capybara hat). Wir haben schon einige Male ihre feinen Hirnergüsse geteilt – ihr erinnert euch an ihren Würstlbuden-Test. Jetzt wird es also höchste Eisenbahn, die Dame hinter dem Blog genauer vorzustellen. Oder in ihren Worten: Wer ist eigentlich diese Gute Güte und warum belästigt sie das Internet?

Liebe Güte, warum belästigst du das Internet?

Das arme Internet ist zu gütig und lässt sich viel gefallen. Und ehe es sich versieht, hat sich schon wieder jemand breitgemacht und postet Katzenvideos. Oder Würstelstände. Wahlweise.

Ist deine Identität geheim oder sollen wir spannungssteigernd am Schluss des Artikels den geheimnisumwobenen Nebel um deine Person lüften?

Kann ich zum Nebel bitte noch bunte Scheinwerfer haben? Und Glitzerkonfetti? Nein, meine Identität ist nicht geheim und auch nicht so schwer herauszufinden. Ich komme eigentlich aus Oberösterreich und bin anno 2006 zum Studieren nach Salzburg gekommen. Die „klassische“ Salzburgerin also. Meine Studienfächer damals waren Kunstgeschichte, Museumspädagogik und – wie sollte es anders sein – Kowi. Geblieben bin ich dann wegen Job, Liebe und Katzen (Plus Faultier und Capybara. Aber das ist und bleibt ein Gerücht.). Habe es aber noch – fast – keine Minute bereut.

Hand aufs Herz: machst du oft Sachen, weil sie in deinen Blog gut reinpassen oder dokumentierst du lediglich die Dinge, die du eh tun/kochen/herstellen würdest?

Gute Frage. Also, ich mache bestimmt nichts, was ich nicht auch ohne Blog verbrochen hätte, dazu hätte ich weder Lust noch Zeit und käme mir schon ziemlich dämlich vor. Aber die Frequenz dessen, was ich mache, hat sich bestimmt erhöht. Ich glaube kaum, dass ich sonst 5 Würstelbüden in drei Tagen abgeklappert hätte. Habe immer noch Sodbrennen.

Du setzt dich öfters todesmutig so unterschiedlichen Gusto-Touren wie Kaffehäusern, Würstlbuden und der unvermeidbaren Mozartkugel aus. Alles für die Wissenschaft?

Meine kulinarische Leidensfähigkeit ist beträchtlich, siehe Sodbrennen. Außerdem mache ich diese Touren nie allein, da müssen immer wieder meine Freunde dran glauben, die dann mittrinken, mitessen (und mitleiden). Die sind da zum Glück sehr geduldig. Auch, wenn ich schon wieder un-be-dingt in ein Lokal rein muss, damit ich meine nächste Top-5-Liste vollkriege. Aber natürlich: Ich mach das NUR für die Wissenschaft. Man muss schließlich Opfer bringen. Zum Beispiel in Form von Kuchen.

Ist es aktuell in Österreich möglich mit einem Blog wie deinem auch etwas Geld zu verdienen?

Ich würde mal vorsichtig sagen: ja, zumindest ein Taschengeld könnte man verdienen. Ich krieg immer wieder Post von Agenturen und Firmen, die bei mir irgendwas gegen Vergütung platzieren wollen. Solche Kooperationen gehe ich aber normalerweise nicht ein, weil ich das Gefühl hätte, dadurch meine Integrität zu verlieren. Die einzige Zusammenarbeit, die ich momentan angehe, ist mit der Salzburger Rupertusbuchhandlung. Die liegt mir allerdings tatsächlich am Herzen und es fließt dabei kein Geld. Mir geht es mit dem Blog nicht ums Finanzielle, sondern um Spaß, Austausch und Kreativität.

Womit verdienst du dann im analogen Leben hauptsächlich deinen Lebensunterhalt?

Mein analoges Leben verläuft eigentlich auch eher im Digitalen: Ich bin bei einer Salzburger Webagentur für den Kommunikationsbereich zuständig. Mache also auch professionell in Blogs, Social Media, PR, Text- und Werbekram.

Es gibt eine facebook-Gruppe für Salzburger Blogger. Hilft die Vernetzung?

Ja, absolut. Die Salzburger „Szene“ ist eigentlich recht überschaubar, aber dafür umso lebendiger. Wir treffen uns immer wieder zum Stammtisch und es ist schön, die Gesichter hinter den digitalen Fassaden kennen zu lernen. Vielleicht ergibt sich auch einmal das eine oder andere gemeinsame Projekt.

Es scheint sich ein großer Teil der aktuellen Blogs auf süße Basteleien und Rezepte zu konzentrieren. Das sind zwar auch Elemente, die man bei dir findet, aber eben nicht nur. Es fällt auch auf, dass das Ganze bei dir ungewohnt stylisch daher kommt. Angefangen von deinem unaufdringlichen schwarz/weißen Grunddesign bis hin zu den Fotos und dem Logodesign. Gibt es dazu eine Hintergrundgeschichte?

Jetzt bin ich erst mal einen Moment stolz, weil ihr mein Grafikgebastle als „stylisch“ einstuft. Hintergrundgeschichte gibt’s allerdings keine, außer, dass meine Bude auch primär in schwarz/weiß eingerichtet ist. Und es stimmt schon: auf vielen Blogs nehmen recht austauschbare Backrezepte und niedliche DIYs Überhand. Ich nehme mich davon auch gar nicht aus, ich falte auch Origamikraniche und backe türkise Torten. Mir ist es halt trotzdem wichtig, einen halbwegs ausgewogenen Mix zu finden aus Lebensbehübschung und Authentischem bzw. Ernsthafterem. Und ich bemühe mich, nicht ins Niedliche und völlig Belangslose abzugleiten. Wenn ich etwas über Salzburg bringe, sind es ja auch nicht der Domplatz und Sound of Music, sondern eher die Ignatz-Harrer-Straße und das Jet Lag. Sehr wichtig ist es mir außerdem, nicht zu kommerziell und konsumlastig zu werden – was man in vielen Lifestyle-Blogs ja immer wieder antrifft. Daher gibt es bei mir weder Schminkzeug noch Outfits, keine Shop-the-Looks oder Drogerie-Hauls, dafür Flohmarkt, Vintage, Fair Trade und Do-It-Yourself.

Mit was fotografierst du?

Mit einer Canon Eos 600D, einer Olympus XZ-1 und einem iPhone 4s. Bin aber blutige Anfängerin. Und der Krampf, der dabei oft herauskommt, wird dann meistens noch mit Lightroom gepimpt.

Neben deinem eigentlichen Blog und einer facebook Seite bist du auch bei Diensten wie Twitter und Pinterest. Notwendiges Social Media Übel oder hilfreiche Tools für dich?

Sowohl als auch. Wenn man schon in die Internet-Wildnis hinauskrakeelt, ist es schon sehr hilfreich, das eine oder andere Megaphon zur Hand zu haben. Bei diesem gigantischen Grundrauschen, wird man sonst einfach nicht gehört. Abgesehen davon ergeben sich immer wieder wahnsinnig nette und bereichernde Kontakte über diese Kanäle, die anderweitig sicher nicht zustande gekommen wären. Und Pinterest hat besonders schöne Bilder von Kuchen und Katzen und Capybaras (http://www.pinterest.com/guteguete/kuchen-und-katzen-und-capybaras/).

Aktuelle musikalische Dauerschleife im Kopfhörer?

Eklektisch. Top 5 in beliebiger Reihenfolge:

Tocotronic – Hi Freaks (Old but Gold)
Franz Ferdinand – Right Action (Das Video!)
Bilderbuch – Feinste Seide (Aus Aktualität: zu viel Hitze im Tiefkühlfach!)
Arktis/Air – Hotbed (Das Artwork!)
Die Festspiel-Produktion von Giulio Cesare in Egitto (Händel) von 2012 (Ja, ernsthaft)
Und wenn ich dann Urlaub hab, wird garantiert „Sommer, Sonne, Kaktus“ von Helge Schneider aufgewärmt.

Das kann man immer essen:

Die Pad Thai bei Lek’s Thai Imbiss

Davon sollte man die Zunge lassen:

Das Schokoladen-Bier beim Belgier. Einmal probiert haben reicht vollkommen.

Besondere Plätze für dich in Salzburg?

Die neue Salzach-Staustufe, die Steingasse in der Dämmerung, die Stelle nahe der Lehener Brücke, wo die Mandarin-Enten wohnen, die Kleinstadtidylle im Nonntal und der Mirabellgarten im Februar, wenn es schon fast dunkel und menschenleer ist.

Fame teilen: Welche Blogs liest du selber gerne?

Da gibt es so viele! Ein besonders schöner Foodblog ist für mich Moment in a Jelly Jar (http://www.inajellyjar.com), da die Bloggerin, Conny, nicht nur besonders nett und aus Salzburg ist und besonders schöne Fotos macht, sondern ihre Rezepte immer das gewisse „Etwas“ haben und nicht jedem Ami-Backtrend hinterherlaufen.

Auf dmtlfaway.blogspot.de gibt es sehr schöne, atmosphärische Fotos einer blutjungen Dame aus Bayern. „Ist das Vintage oder kann das weg?“ (http://istdasvintage.at) ist ein erfrischend ironisch geschriebener Modeblog für Männer (Warum ich den lese? Keine Ahnung.). Und – das ist jetzt genaugenommen kein Blog, sondern eine Facebookseite, was mir grad wurscht ist – die Barbara (https://www.facebook.com/ichwillanonymbleiben) ist auch ganz besonders sehens- und folgenswert.

Hast du noch andere Projekte?

Absolut! Ich arbeite gerade in einem sehr engagierten Team an einem alternativen Kulturstadtplan für Salzburg, der zwar noch keinen Namen hat, aber dafür ein sehr feines Konzept. Im Herbst/Winter kann man hoffentlich schon mehr dazu sagen.

Irgendwelche letzten Worte?

Es war mir eine Ehre!

Wir bedanken uns bei dir, Caro, für das Interview und empfehlen euch Artikellesern ein Like, Bookmark oder sonst was abgefahren technisches bei ihren Internetauftritten zu setzen.

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